Ephesos

File 647Das heute zu besichtigende Ephesos, erst Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts wieder ausgegraben, liegt nahe der Kleinstadt Selcuk, ca. 50 km südlich von Izmir.

Schon 1100 vor Christus wurde Ephesos von ionischen Siedlern am heutigen Ayasoluk Hügel erstmals gegründet. Um 560 vor Christus zog die Stadt das erste Mal um, in die Nähe des zwischen 600 und 400 vor Christus erbauten riesigen Artemistempels. Das heute zu besichtigende Ephesos ist die dritte Neugründung der Stadt, die um 300 vor Christus zu Füßen des Berges Pion und damit in Hafennähe erbaut wurde.

File 743Unter den Römern erlebte Ephesos seine Blütezeit und stieg auf zur Hauptstadt der Provinz Asia. Zu verdanken hatte Ephesos das nicht nur seinem sagenumworbenen Artemistempel, gebaut zu Ehren der Göttin der Jagd und des Mondes, Artemis, der Ephesos zu einem bekannten Wallfahrtsort machte. Auch ihr viel frequentierter Hafen machten die 250.000 Seelen Stadt zu einem blühenden Handelszentrum. Als das Meer sich langsam zurückzog und der Hafen allmählich austrocknete, bedeutete dies das Ende Ephesos, das langsam in Vergessenheit geriet.

Heute gilt Ephesos weithin als die im gesamten östlichen Mittelmeerraum am besten erhaltene Stadt der antiken Welt. Leider gilt dies nicht für den auf halbem Weg zwischen Selcuk und dem heutigen Ephesos zu besichtigenden Artemistempel. Einst als eines der sieben Weltwunder gerühtm und weithin für seine Ausmaße und Schönheit gepriesen, ist er heute in einem bemitleidenswerten Zustand. Kaum noch etwas an ihm erinnert an seine ehemalige Größe und viele Teile des Tempels sind im Laufe der Zeit als Bauwerk für neue Gebäude genutzt worden und dadurch für immer verloren.


Spannender als der Artemis Tempel ist Ephesos selbst mit seinen vielen, teilweise sehr gut erhaltenen, Gebäuden, die einem beeindruckend nahe bringen, wie man zu Zeiten der Römer lebte.


Auf keinen Fall entgehen lassen sollte man sich die prächtige Hafenstrasse mit dem Großen Theater an ihrem östlichen Ende, die zum ehemaligen Hafengelände führt. Nicht nur die vielen Säulen, mit denen sie gesäumt war und die man auch heute noch erahnen kann, sondern auch die großen Marmorplatten mit denen sie gepflastert war und unter denen ehemals die Wasserleitungen der Stadt verliefen, verdeutlichen bildhaft die Ausmaße des ehemaligen Ephesos.

Am Hafen selbst findet man noch Ruinen von Bädern sowie Teile eines Gymnasiums. Das Große Theater, am entgegengesetzten Ende der Hafenstrasse gelegen wurde zwar weit früher zum ersten Mal gegründet, jedoch in seiner heutigen Form erst um 100 nach Christus von den Römern erbaut. Wie in Aphrodisias finden auch in diesem Theater, das ca. 25.000 Zuschauer fasst, auch heute noch zahlreiche Veranstaltungen statt. Das Internationale Izmir Festivals, das jedes Jahr Mitte/Ende Juni stattfindet ist eine gute Gelegenheit den besonderen Charme des alten Theaters live zu erleben. Vom Theater führt die  Marmorstraße in Richtung der inzwischen aus Ruinen vollkommen neu aufgebauten Celsus Bibliothek, die ehemals 12.000 Schriftrollen lagerte.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die prunkvollen Privathäuser, die, etwas am Hang gelegen, einen guten Eindruck vom damaligen Lebensstil der Oberschicht vermitteln sowie die vielen massiven Tore, Brunnen und zahlreichen kleineren Theater, die man auf seinem Rundweg durch die Stadt bewundern kann. Direkt neben dem Parkplatz in Selcuk stehen die Ruinen einer Marienkirche, die auf dem Gelände einer ehemaligen Musenhalle aus dem 4. Jahrhundert gebaut wurde und in der das Dritte Ökumenische Konzil 431 nach Christus stattfand.

Nachteil der Bekanntheit Ephesos sind die Massen an Touristen die sich hier jeden Tag einfinden. Selbst wenn man früh morgens anreist, wird man den Reisegruppen kaum ganz aus dem Weg gehen können, denn um Ephesos richtig zu erkunden, sollte man einen halben bis einen ganzen Tag einplanen. Mit den vielen Touristen steigen auch die Preise, ob Eintritt, Führung oder ein einfaches Wasser, beim Besucher wird kräftig abkassiert.